Der frühe Vogel kann mich mal?! Eigentlich mein Leitspruch, aber nicht auf dieser Tour, nicht mit mir. Es soll endlich losgehen! Ich warte brav an unserem Mädelsauto das der Konvoi sich nun endlich bewegt, als Dag mich fragt, ob wir Lust haben, heute mit Stefan und Craig vorzufahren. Und NATÜRLICH haben wir Lust! Mit den beiden zu fahren heißt, den Sonnenaufgang wirklich zu erleben und an tollen Plätzen zu halten um super Fotos zu machen. Bedeutet aber auch, Craigs Gebärdensprache zu verstehen….mit den Händen versucht er uns zu erklären, wie wir das Auto ins rechte Licht rücken sollen…das er dabei nicht völlig die Contenance verloren hat, grenzt an ein Wunder. Wir sind aber ja lernfähig und am Ende der Tour haben wir Craigisch perfekt verstanden. 😉 Es geht also weiter über die Krim Richtung russische Grenze. Erst entlang der Küste und dann durch eine Landschaft, die mich stark an die Anden erinnert. Unglaublich schön und abwechlungsreich.

Nette Begegnungen lassen auch hier nicht auf sich warten. Kurz vor der russischen Grenze haben wir plötzlich einen LKW vor uns und die Ladefläche voll mit jungen, freundlichen Soldaten. Überholen, nett winken und weiter gehts… kurze Pipipause und der LKW düst hupend an uns vorbei. Natürlich haben wir mit unseren Autos schnell wieder aufgeholt und ein weiteres Mal kleben wir den Soldaten am Hinterteil. Diesmal wird geschäkert, zugelächelt und gewunken, bis wir erneut überholen. An der letzten Tankstelle vor der Grenze warten wir auf den Rest unseres Konvois und wer hat uns auch wieder eingeholt?! Richtig – unsere Freunde die Soldaten. Wieder wildes gehupe und gewinke und weg sind sie. Unsere Frage, hat das flirten vielleicht gereicht, um schneller über die Grenze zu kommen? 😉 Nein – denn was dann passiert ist, hätte sich kein KrimiAutor besser aus den Finger saugen können…. Raus aus der Ukraine – kein Problem. Rauf auf die Fähre mit elf Autos – paßt. Den Wind um die Nase wehen lassen und Fotos schießen – gelungen. Jeder hat seine WagenPapiere am Man/Frau – ääähhhhhh MOMENT. Houston, wir haben ein Problem. Andre hat seine Wagenpapiere über Bord gehen lassen. Er hat WAS? Panik macht sich breit….. Wie kommen wir in Russland rein ohne Fahrzeigschein ect…?! Muß das Auto zurückgelassen werden? Wie gehts weiter, was tun und überhaupt – wie konnte das denn passieren?!! Doch wir wären nicht mit Land Rover und einem ziemlich gut vorbereiteten Team unterwegs, wenn wir nicht auch diese Situation perfekt meistern könnten. Natürlich gibt es beglaubigte Kopien, den besten Dolmetscher und Alleskönner Dima und einen ziemlich lässigen Dag. Und dieses Dreamteam schafft es selbstverständlich, uns nach RELATIV kurzer Wartezeit und Bearbeitung, das wir nun auf russischem Boden unsere Fahrt fortzetzen dürfen. Gute Arbeit!

Angekommen in Anapa merken wir dann schnell das die Russen ziemlich gut feiern können und wollen. Unser Hotel ist direkt im Stadtkern und um uns rum Kneipen, Discos oder sonst was….hauptsache es ist laut und hell. Wir wollen auf diesen Schreck auf alle Fälle ein oder drei Vodga trinken und ESSEN – wir sind mit allem zufrieden, hauptsache, es ist Fleisch. Und wir werden nicht enttäuscht. Fleischberge in Hülle und Fülle und auch der Flüssigkeitsverlust läßt auf sich warten. Aber Achtung: in Russland ist null Promille angesagt und natürlich sind wir ganz artig. 🙂 Der Tag war ereignisreich genug und bald fallen wir alle in den tiefen, wohlverdienten, etwas zu kurzen Schlaf….