Gut geschlafen und ausgeruht soll es nun zur usbekischen Grenze gehen. Der erste Schock des Morgens – es fehlt ein Autoschlüssel….was soll denn noch alles passieren auf dieser Etappe? Autopapiere im schwarzen Meer, Schlüssel nicht mehr auffindbar – aber wie gut, das es den kleinen gelben Koffer mit Ersatzschlüsseln gibt. Für alle Eventualitäten vorbereitet, das lob ich mir! Also geht’s endlich los…wir fahren (natürlich) im Dunkeln über eine lustige Schotterstraße. Lustig deshalb, na wer errät es? Genau, es gibt ein PAAR Schlaglöcher. Sorry, wenn ich dieses Phänomen wieder erwähne, aber es hätte auch auf der Etappe zum Schimpfwort werden können…. Bei diesem durchgeschüttel ist es nicht verwunderlich, das sich die Gurte der Kanister auf dem Dach wieder lösen. Das beobachten wir im Wagen vor uns….per Funk geben wir einen sofortigen Stopp durch und wir halten an um zu helfen. Der Konvoi hat sich etwas auseinander gezogen wir stehen mit zwei Autos am Straßenrand. Ich klettere elfengleich aufs Wagendach um die Kanister wieder zu befestigen. Das gestaltet sich schwieriger als erwartet, denn die Gurte sind schon x-mal durchgescheuert und wieder verknotet worden und nun ist kein vernünftiges Arbeitsmaterial mehr vorhanden… aber Hilfe naht! Zum einen hält Dag, der einen neuen Gurt aus seinem Auto zaubert und so werden schnell die Kanister wieder ordnungsgemäß befestigt. Zum anderem hält auch das Fernsehteam, das sofort aus dem Auto springt um zu filmen….. Ich bin mal gepannt, ob die bewegten Bilder im Fernsehen dann mein Hinterteil auf dem Autodach wirklich so ungünstig zeigen, wie ich es in diesem Moment empfunden habe…Surprise! 😉

Wieder auf dem Weg sind wir dann auch schnell an der Grenze angekommen. Es warten schon etliche Autos, LKWs und Fußgänger und wir stellen uns hinten an. Wir müssen uns zwei Stunden die Zeit vertreiben um erstmal aus Kasachstan rausgelassen zu werden. Was dann kommt, hätte niemand von uns erwartet und Dag hätte wohl auch nicht damit gerechnet, das wir seinen ‘an einer Grenze warten’ Rekord an diesem Tag schlagen…. Wir werden also endlich durch die Grenze gelassen und kommen dann ins Niemandsland, diesmal ca. 150 Meter lang, 20 m breit, eng und dreckig. Alle Autos unseres Konvoi passen mit viel rangieren in irgendwelche Lücken. Da sind wir nun und warten auf Einlass nach Usbekistan. Plötzlich heißt es, auf der Linken Spur geht es schneller, also Komando an alle, umparken. Die linke Spur ist übrigens keine wirkliche Spur, denn zwischen den Grenzen ist nur harter, unebener, zugemüllter Sandboden, aber wir rangieren hin und her, bis wir links neben den LKWs stehen, die sich mittig platziert haben. Dort stehen wir dann etwa 15 min bis es die Anweisung gibt – wir müssen auf unsere vorherige Position. Also spielen wir wieder Türme von Hanoi (oder wie hieß noch mal das gesellige Stapelspiel?!) und parken die Autos wieder rechts von den LKWs…und dann geht GAR NIX mehr… naja, doch…pro Stunde etwa 10 Meter. Keine guter Schnitt meiner Meinung nach. 🙂 Jetzt sitzen wir also hier fest…13 Stunden lang. Ja, auch in Worten wird es nicht kürzer, wir haben DREIZEHN Stunden dort ausharren müssen. Was vielleicht nicht weiter schlimm gewesen wäre, denn wir haben immer viel Spaß in unserem Team, aber es waren gefühlte 40 Grad in der prallen Sonne und irgendwann ist man einfach mit der Gesamtsituation unzufrieden… Außerdem war die sanitäre Situation, sagen wir mal, bescheiden. Um es deutlich zu sagen, erst gar nicht vorhanden. SO roch es auch in unserem derzeiten Aufenthaltsort. Kloake ist eigentlich das passende Wort dafür. Denn was macht man, bzw. Frau bei fehlenden Toiletten? Ich will weitere Details hier lieber ersparen – aber aufhalten geht irgendwann auch nicht mehr… Irgendwann mußten wir mit den Autos auch so dicht zusammenrücken, das kaum noch unsere Klappstühle dazwischen passten. Also gleich im Auto schlafen und die Zeit wenigstens so sinnvoll nutzen. Oder Autoschlüssel suchen….Und JA, er hat sich tatsächlich wieder angefunden! 😉 Dima hatte ständigen ‘Kontakt’ mit den Grenzern und berichtete uns, das wohl nur zwei Autos die Stunde durchgelassen werden um auf usbekischer Seite erstmal komplett auseinander genommen zu werden. Na herzlichen Glückwunsch….als es dann noch hieß, es könnte sein das wir die Nacht dort verbringen müssen, sank die Laune kurzzeitig in den Keller. Nicht verwunderlich, oder? Aber dann ein Lichtstreif am Horizont! Es bewegt sich was – und zwar vorwärts! Wir stehen nach 12 Stunden tatsächlich direkt vorm Tor und können die andere Seite schon sehen! Nach einer weiteren Stunde ist es dann endlich soweit und alle 11 Autos dürfen auf usbekischen Grund und Boden. Und dann geschieht wirklich ein Wunder – ein Grenzer erkennt Dag wieder von der Vortour im letzten Jahr. So dauert es nur etwa eineinhalb Stunden mit den Passkotrollen und noch nicht mal unsere Autos werden komplett durchleuchtet. Verschwitzt, erschöpft, aber glücklich haben wir es geschafft! Wir sind im letzten Land unserer Etappe! Leider ist durch die KLEINE Zeitverzögerung an der Grenze unser Plan am Aralsee zu campen, mal so richtig in die Hose gegangen. Wir fahren aber noch ein paar Kilometer bei Tageslicht, bis wir hinter einem Bahndamm in der unendlichen Weite Usbekistans einen geeigneten Camplatz finden. Dann geht es schnell, Zelte aufbauen, Abendessen vorbereiten (heißt, Wasser kochen für’s Travellunch), Stühle ausklappen, Bier oder Gin Dose auf und – genießen. Die Stimmung ist von zu Tode betrübt umgeschlagen in himmelhochjauchzend und wir bekommen einen spektakulären Sonnenuntergang und wieder einen großartigen Sternenhimmel geschenkt – Danke für diesen Willkommensgruß Usbekistan!! Keinem merkt man die Anstrengungen des Tages mehr an, die Stimmung ist ausgelassen aber irgendwann verkrümelt sich auch der letzte in seinen Schlafsack. Ich habe wieder nur den weiten Himmel, die Sterne und die Milchstraße über mir und schlafe seelig ein… WAS FÜR EIN TAG!!