27.10.2015: Len Beadell war nicht nur der letzte echte Entdecker Australiens, sondern auch ein wahrer Romantiker. Als er in den fünfziger Jahren mit seinem Land Rover Defender unterwegs war, um die letzten weißen Flecken Australiens im Northern Territory zu erforschen, benannte er alles mögliche nach seiner Frau Victoria. Wir haben in den letzten Stunden den Victoria River passiert und sind unterwegs auf dem Victoria Highway, dessen Grundstein Beadell auf dem Weg ins Outback legte.

An einem Road House im Nirgendwo des australischen Outbacks begegnen wir den Nachfahren eben jenes Len Beadell. Es trägt den Namen – wen wundert’s – Victoria River Road House. Im Verkaufsraum hocken eine Handvoll Männer mit Jeans und Cowboyhüten. Sie essen einen Snack und quatschen bei einem Filterkaffee oder einem Glas Whisky mit Teresa und Fiona, den beiden Verkäuferinnen des Road House.

Die Luft steht und die niedrig stehende Nachmittagssonne scheint durch die milchigen Fensterscheiben über einen verwaisten Billardtisch am Rand der Ladenfläche. Whiskyflaschen, die hinter dem Tresen an der Wand hängen, reflektieren ihre Strahlen. Drei große Ventilatoren hängen unter der Decke und drehen müde ihre Runden. Das Victoria River Haus ist die einzige Rastmöglichkeit im Umkreis von mehreren hundert Kilometern und ein Treffpunkt für die Farmer aus der Umgebung. Sonst kommen hier nur vereinzelt Touristen während ihrer Roadtrips durch das Northern Territory vorbei.

Mit unserer zwanzigköpfigen Expeditionsgruppe kehrt Leben in das verschlafene Häuschen ein. Die simplen Duschen in einem Nebengebäude kosten AU$ 2,50 und sind nach unserer Ankunft schnell belegt, denn wir werden noch einige Tage in unseren Zelten schlafen und wissen nicht, wann die nächste Dusche in Sicht ist. Diese Gelegenheit lässt sich daher kaum einer der Tourteilnehmer entgehen. Nach der kalten Dusche fallen wir über die Tiefkühltruhe her: Eiscreme haben wir seit Wochen nicht gesehen, dabei passt es so gut zu den Temperaturen, die in den letzten Tagen regelmäßig an die 40 Grad im Schatten heranreichen.

Während wir genießen, kommen Teresa und Fiona ins Schwitzen. Die beiden Frauen müssen jetzt eine ganze Menge Kunden auf einmal bedienen, das sind sie hier in der Einsamkeit des Outbacks nicht gewöhnt: „So viele Leute waren in den letzten drei Tagen zusammen nicht hier“, stöhnt Teresa. Wir können uns allerdings nach stundenlanger Fahrt über Schotterpisten und den australischen Busch kaum etwas Besseres vorstellen als diese kurze Rast am Victoria River Road House. Während die Damen unter uns mit den Cowboys herumalbern und für Fotos posieren, relaxen die Männer im Schatten unter den Ventilatoren.

Was wohl Len Beadell von einer solchen „luxuriösen“ Pause gehalten hätte?

Euer Timo

#LET2015