Afrikanisch für Fortgefahrene – die Vortour

Land Rover Experience,

Wer das Kavango-Zambezi-Gebiet im südlichen Afrika erleben will, muss gut vorbereitet sein: Wilde Tiere erwarten die Abenteurer der diesjährigen Land Rover Experience Tour genauso wie tiefe Schlaglöcher und massenhaft Salz. Ein kleines Team machte sich im Oktober schon mal auf die Suche nach passenden Pisten.

Der Mann an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe wittert ein Geschäft. Wir mögen doch bitte Geld tauschen – ganz viele seiner Simbabwe-Dollar gegen unsere US-Dollar. In seinem Geldbündel sind ein paar 50.000.000.000er-Scheine, und gut möglich, dass auch einer der höchsten Werte, nämlich ein 100-Billionen-Dollar-Schein, dazwischen steckt. Wir gehen allerdings nicht drauf ein. Aus gutem Grund: Die einheimische Währung wird seit 2015 nicht mehr akzeptiert.

Es ist eben alles ein bisschen anders, hier im tiefsten Afrika. Erst recht, wenn man mit einem Konvoi aus mehreren Fahrzeugen abseits der bekannten Wege durch den Busch des schwarzen Kontinents pilgert – und das nicht nur mit dem Ziel, Abenteuer zu bestehen: Mit dann aktuellen Discovery geht die Land Rover Experience Tour bei ihrer 13. Ausgabe im November 2019 auf „KaZa“-Reise. „KaZa“ steht für „Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area“ und bezeichnet Afrikas größten Schutzgebietsverbund: 2011 haben sich fünf südafrikanische Staaten entschlossen, über Ländergrenzen hinweg und mit der Unterstützung des World Wildlife Fund for Nature (WWF) gemeinsam Naturschutzgebiete weiter zu entwickeln. So entstand um die Flüsse Kavango und Zambezi auf 44,4 Millionen Hektar das zweitgrößte Landschaftsschutzgebiet der Erde, in dem rund 300.000 Elefanten leben. Es verbindet 36 Nationalparks und Wildreservate durch Korridore und soll unter anderem Elefanten die Wanderungen hindurch ermöglichen. Dafür sind die örtlichen Gemeinden verantwortlich – und plötzlich sind Elefanten mehr wert als ihr Elfenbein, weil die Ortschaften zum Beispiel an den Einnahmen des Tourismus beteiligt werden.

Land Rover will 2019 mit seiner medial stark unterstützten Reise das positive Vorhaben bekannter machen und unterstützen. Dag Rogge, Chef der Tour, bringt es auf den Punkt: „So überwindet der Naturschutz Armut.“

Im Herbst nächsten Jahres geht es deshalb zwei Wochen und 2.800 Kilometer lang durch fünf afrikanische Staaten. Gestartet wird an den Popa Falls in Namibia, dann führt die Strecke in und um den „Caprivi Zipfel“, eine namibische Ausbuchtung, begrenzt von den Flüssen Okavango, Cuando und Zambezi. Er berührt Angola, Sambia, Simbabwe und Botswana. Dort werden diverse Nationalparks erkundet wie das Sioma Ngwez-Schutzgebiet. Geplant ist ein Besuch der Victoria Falls, dem höchsten Wasserfall Afrikas. Von da aus führt Dag Rogge, die Gewinner und alle Beteiligten in den Hwange-Nationalpark und über die „Hunters Road“ weiter nach Botswana. Dort werden die beeindruckenden Makgadikgadi-Salzpfannen durchfahren. In Maun ist das Ziel erreicht.*

Abenteuer dazwischen gibt es genug. Die fangen schon „On-Road“ an. Zum Beispiel auf der A3 zwischen Raka im Norden und Maun im Süden des afrikanischen Staates Botswana. Diese einst asphaltierte Schnellstraße besteht eigentlich nur aus Schlaglöchern. Reifen mordend, Geduld fordernd, Zeit fressend. Lastwagen, Pkw, Bikes, sie alle fahren in Schlangenlinien, um den tiefen Löchern halbwegs zu entgehen. Natürlich wie in Zeitlupe – so viele Ersatzräder kann man gar nicht mitnehmen, wie man problemlos zerstören könnte.

Weiter geht’s an den Grenzen. Per Hand muss man seinen Namen in großen Büchern austragen, um sich einige Meter weiter wieder einzutragen (Name, Wohnort, Autokennzeichen etc.). Die kleinen Grenzstationen zwischen Simbabwe und Botswana passieren pro Tag im Schnitt gerade mal drei Autos – da haben die Grenzer (oft Frauen) viel Zeit, in den Autos nach Fleisch und Schuhen zu suchen. Fleisch darf man gar nicht in ein Nachbarland einführen, Schuhsohlen müssen gewaschen werden, damit keine Krankheiten verschleppt werden. Auch die Autos fahren durch ein Wasserbad.

Und dann geht’s wirklich Off-Road. Die Hunters Road zum Beispiel ist ein teils breiter, teils sehr schmaler Grenzstreifen zwischen Simbabwe und Botswana, dessen Untergrund von Sand bis Fels alles bietet, was man als Herausforderung betrachten kann. Auf kaum benutzten Pisten im Hinterland kratzen steinharte Zweige mit Stacheln am feinen englischen Blechschutz. Hinzu kommt ständiger Tierwechsel (unvermittelt kreuzen Elefanten, Antilopen, Giraffen, Gnus, Zebras, Wasserbüffel, Warzenschweine und Affen die Straße, aber auch uns eher geläufige Lebewesen wie Ziegen, Rinder, Esel und Hühner). Hinzu kommen Millionen von abgebrochenen Ästen und Zweigen, die anklagend in alle Richtungen ragen – Folge des ewigen Hungers der vielen Elefanten, die hier nicht nur tonnenweise Verdautes hinterlassen, sondern auch eine weitgehend abgerupfte Buschwüste.

Wir sind froh über die Luftfederung der mit Expeditions-Equipment beladenen Discovery. Zur Not können sie dazu bewegt werden, die Bodenfreiheit auf maximale 28,3 Zentimeter zu erhöhen. Trotz aller Vorsicht schlitzen messerscharfe Steine hier und dort den einen oder anderen Reifen auf. In den Salzwüsten staubt es so stark, dass der Konvoi um mehrere Kilometer auseinandergezogen werden muss, damit die Fahrer überhaupt etwas sehen. Und spätestens wenn die 258 PS starken Turbodiesel im hochtourigen Sand-Modus auf restlos weichem Geläuf wegen Überanstrengung und bei mehr als 40 Grad Hitze um Kühlung flehen, merkt auch der letzte Kritiker, dass Afrika mehr ist als nur Safari. Wir sind beruhigt, die Autos voller Lebensmittel zu haben – hier weiß man nie so genau, wann man wo ankommt.

Apropos Lebensmittel: Wir sind unsere Dollar natürlich doch noch losgeworden. Denn hier, an der Grenze von Zimbabwe und Botswana, sind Lebensmittel teurer als in Zürich. Eine Packung Kekse kostet volle 16 US-Dollar, drei Ananas 25 Dollar, eine Dose Red Bull sieben Dollar.

Es ist eben wirklich alles etwas anders hier in Afrika.

 

Text: Roland Löwisch
Automobiljournalist und Autor des spektakulären Bildbandes Land Rover Experience Tour.

* Ablauf der Tour nach heutigem Planungsstand, Änderungen vorbehalten.